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 NWZ Göppingen, 10. Juli 2005

  „Armut ist nicht heilig“

Beeindruckende Aufführung – Lebendige Texte von Pfarrer Weidle und Kristina Roth

Vor der Premiere auf dem Kölner Weltjugendtag konnte ein begeistertes Publikum in der Oberhofenkirche das Musikspiel „Franziskus und Klara“ erleben. Werner Dannemanns Kompositionen, mit den Musikerinnen von Opera Nova bezaubernd umgesetzt, wurden von Kristina Roth und Andreas Weidle mit lebendigen Texten ergänzt.

Göppingen: Franz von Assisi und seine Weggefährtin Klara sind das Zentrum im Musikspiel von Werner Dannemann. „Beim Lesen der Texte, in denen alle Wesen der Schöpfung voll Liebe und Achtung gepriesen werden, habe ich mich gefragt, wie fühlte Franziskus, was ersehnte sich Klara?“ Dieser emotionale Zugang zu den frühen Texten gebar ein großartiges Werk, zu dem der Franziskanerorden Deutschlands den Auftrag gab. In Köln, beim Weltjungendtag, soll die Uraufführung sein. Wiederholungen in ganz Europa sind geplant.

In die Stille hinein beginnt die akustische Gitarre, Schlagzeug und Drehleier kommen dazu, dann die Stimmen. „Take me away with you“, „nimm mich mit dir mit“, heißt es in einer Textzeile – und genau das geschieht. Dannemanns energiegeladene Gitarre zeigt den Weg, die Drehleier, meisterlich gespielt von Elke Rogge, gibt Beständigkeit. Der helle, klare Sopran von Katharina Schwarz leuchtet strahlend. Daniela Epples kraftvoller Mezzosopran schwingt durch den hohen Raum wie ein Drachen im Wind, und Andy Schoy am Schlagwerk gelingt ein Rasseln und Fauchen, ein Murmeln und ein Pochen – wunderbar. Bei Dannemann selbst ist zu spüren, dass es den Rock’n Roller kaum auf dem Stuhl hält. Nicht, weil es ihn nach wilden Soli drängt, vielmehr, weil er voll aufrichtigem Pathos scheint. „Die Musik transportiert die Inhalte ganz unmittelbar“, sagt Daniela Epple später und erzählt von der einen oder anderen Gänsehaut während des Singens.

Pfarrer Andreas Weidle geht durch die Reihen, redet mit den Menschen, redet mit Klara, seiner Wegbegleiterin zu Lebzeiten. Kristina Roth antwortet und fragt. Als eine Frau, die im Sinne Klaras die Dinge im Hier und Jetzt betrachtet. Bilder von Menschen in Not, unterdrückte, ausgebeutete Menschen sind zu sehen. Weidle und Roth wechseln zwischen der Geschichte der beiden Heiligen und aktuellen Bezügen. Dannemann, Epple und Schwarz singen den Aufruf des Franziskus zu heiliger Armut. Pfarrer Weidle ruft danach laut in den Raum „Armut ist nicht heilig. Armut ist Verzweiflung, Schmutz, Entwürdigung.“ Immer wieder rütteln die Texte auf. Die starke Überzeugung des Franziskus und der Klara, die freudige Hochachtung aller Geschöpfe sind in ihrer Poesie tief berührend. Das Publikum belohnt die mitreißende Musik und die Texte mit minutenlangem Applaus.
 

 Andrea Maier