Home
termine
fotos
pressestimmen
bandinfo
news
cd
besucherInnen
kontakt

Eine UrauffĂĽhrung als Zugabe

 

 

Bereits im dritten Jahr hintereinander brachte der Kirchheimer Gitarrist und Komponist Werner Dannemann seine „Opera Nova“ im vorweihnachtlichen Kirchheim zur Aufführung. Dabei standen und saßen in der Martinskirche die Sopranistinnen Daniela Epple und Katharina Schwarz sowie Elke Rogge mit ihrer Drehleier zur Seite.

Als Werner Dannemann im Dezember 1999 zur Premiere geladen hatte, war das Interesse riesengroß. Ein Rockgitarrist führt einen selbst komponierten Zyklus und Kirchenlieder vor – Grund genug sich das einmal anzuhören. Auch zwei Jahre später waren viele begeistert. Die Brutalisierung der Welt nimmt zu und die Neigung zur Flucht vieler Menschen in die Spiritualität steigt gleichermaßen. Von der Mystik einer Hildegard von Bingen und dem scholastischen Ernst in den Schriften eines Thomas von Aquin inspiriert, schrieb Dannemann „neue Werke für ein neues Hören“. Texte aus dem Neuen Testament ergänzen den Zyklus, der eine Art Liturgie ohne gesprochene Predigt darstellt.

 Deutliche EinflĂĽsse von Blues und Rock machen deutlich, wo Dannemann seine Wurzeln hat. Genau das macht den Reiz der Geschichte aus: Die Unterschiedlichkeit der stilistischen Elemente und Charaktere auf der BĂĽhne. So stellt Daniela Epple mit den angerauten Klängen einer typischen Bluesröhre die Stimme der WĂĽste dar, während der engelhaft weich und warme Sopran von Katharina Schwarz dem Glockenklang abendländischer Gotteshäuser nahe kommt. Einen Ausschnitt aus dem Klangbild der Musik des Mittelalters und der Renaissance bringen die Flötentöne und natĂĽrlich die Drehleier, beides gespielt von Elke Rogge, in die Gesänge an den „Erlöser“, vom „Alten“, das „vergangen sei“ sowie von der Reflexion ĂĽber die eigenen Gedanken des Komponisten Werner Dannemann. Die Texte sind, auch darin kann Dannemann seine musikalisch Herkunft nicht verleugnen, in Englisch gehalten, doch lieferte das Programm zu jedem StĂĽck eine deutsche Ăśbersetzung.

 Wie ein Gottesdienst endet auch die „Opera Nova“ mit dem „Vater unser“. Der Dannemann’sche Zyklus aber hat zuvor noch den Appell an seine Zuhörer parat: „Wir spielen die Melodie fĂĽr euch, in der Hoffnung eure Herzen zu erreichen, und der Heilige Geist, den wir empfingen, möge eure Seelen berĂĽhren.“ Das hat er beim Publikum in der Martinskirche wohl recht einseitig getan, denn vor lauter Begeisterung ging dabei der Sinn fĂĽr eine ausgefeilte Dramaturgie der religiösen Feierlichkeit verloren und das Ensemble musste nach energischer Aufforderung durch das Auditorium noch eine Zugabe nachliefern. So kamen alle – ohne Aufpreis – in den Genuss einer veritablen WelturauffĂĽhrung: In dem neuen Lied „per Legem“ möchte Werner Dannemann erklären, dass der Mensch nicht durch das Gesetz, sondern durch die Gnade Gottes zur GlĂĽckseligkeit gelange.