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Barock und Beat, geht das?

 

Seine Fans und die Kritiker sprechen nur mit Hochachtung von ihm, und das mit Recht. Werner Dannemann hat schon vor Jahren den Beinamen „der schwäbische Jimi Hendrix“ wie einen Orden verliehen bekommen. Er hört dieses Kompliment nicht gerne, er empfindet es als anmaßend, belastend – es engt ihn ein. Aber es macht mehr als deutlich, wofür er mit seinem Gitarrenspiel und seinem Gesang steht: für exzellenten Bluesrock. Erzeugnisse, die es nicht von der Stange gibt.

 

In den letzten Jahren war Dannemann häufig solistisch mit einem Streichquartett auf Tour, er wollte schon lange aus dem üblichen Rock- und Blues-Klischee ausbrechen. Und jetzt steht er seit zwei Jahren mit seinem neuen Projekt Opera Nova auf der Bühne oder genauer in Kirchen, und wer ihn dabei erlebt hat, spürt, dass da ein Musiker seine persönliche Mitte gefunden hat. Opera Nova, neue Werke – aber Werner Dannemann kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Durch seine Eltern wurde er schon früh mit Schumann, Schubert und Beethoven konfrontiert. Musikalisch fühlt er sich in der Frührenaissance zu Hause, bei Palestrina und Monteverdi. Dannemann sagt heute auch von sich: „Ich war kein Blueser. Blues war für mich ein Ausflug aus der Romantik“.

 

So lässt Dannemann Rockmusik aus dem 12. Jahrhundert entstehen, eine Verschmelzung von Barock und Beat, Mittelalter und Neuzeit, Romantik und Blues, teilweise mit gregorianischen polyphonen Sequenzen, eine groovende Meditationsmesse. Die Texte zitieren Passagen aus der englischen Bibel, Thomas von Aquin, Meister Eckehardt, Hildegard von Bingen und – zurück in der Gegenwart – Pater Anselm Grün.

 

Und Dannemanns eigene Texte geben Einblicke in sein mystisch-christliches Verständnis von Glauben, ein Suchen zwischen Glauben, Wollen und Können, abseits liturgischer Vordergründigkeiten. Die Texte werden in neuhochenglischer und lateinischer Sprache gesungen. Und wie!

 

Es muss wohl so etwas wie Bestimmung sein, dass Dannemann genau die richtigen Mitstreiterinnen gefunden hat. Opera Nova verlangt neben Stimme auch Einfühlungsvermögen, Auseinandersetzung mit den Inhalten. Daniela Epple setzt alle diese Voraussetzungen mit wandlungsfähigem Timbre um. Und wenn dann noch Katharina Schwarz mit ihrem Sopran sich wie ein Rauschgoldengelchen über die Kompositionen erhebt, ist minutenlang Gänsehaut angesagt. Den souveränen Gegenpol dazu bildet Elke Rogge mit Drehleier und Querflöte, emotional und erdverbunden.

 

So eingerahmt sing, schreit, haucht Dannemann seine Botschaft vom Evangelium ins Mikrofon, und seine akustische Gitarre bestätigt, was er zu sagen hat. Kein Zeigefinger, kein billiges Anbiedern, keine Effekthascherei, rattenfängerischen Hintergedanken, aber sehr, sehr viel Gefühl. Und wo, bitte schön, finde ich das heute noch?

Wolle Kriwanek, Rockmusiker